OER-Handreichung
Philipps-Universität Marburg
Freie Lizenzen


Zugänglichkeit zu Bildungsinhalten hat mehrere Dimensionen. Neben der Bereitstellung des Materials gehören zum Beispiel auch die Barrierearmut, die einfache Nachnutzbarkeit (z.B. durch offene Dateiformate oder feingranulare Bereitstellung der Inhalte) und die Transparenz über die Herkunft der Bestandteile des Materials dazu. In diesem Abschnitt möchten wir Ihnen noch ein paar Hinweise dazu geben, wie Sie die fünf V-Freiheiten auch im Sinne dieser Dimensionen gut schaffen können.
Kennzeichung des Materials
Unabhängig davon, welche Lizenz gewählt wird, müssen Sie Materialien, die zum Download zur Verfügung stehen, mit einem entsprechenden Hinweis auf die Lizenz des Materials versehen. Wenn Sie im OER-Bereich der Philipps-Universität Marburg Material hochladen, müssen Sie dieses mit einer freien Lizenz versehen, die in den Objektmetadaten gespeichert wird. Dritte können sich von dort Ihr Material herunterladen und weiternutzen. Damit das heruntergeladene Material weiterhin leicht als frei lizenziert erkennbar ist, muss der Lizenzhinweis auf allen Materialien sichtbar angebracht werden. So ist die Lizenz unabhängig von den Objektmetadateien sichtbar, beispielsweise auf PDFs oder Folien.

Tipp: Versuchen Sie immer, den Hinweis so nah am Material anzubringen wie möglich. In Textdokumenten und PDFs kann dies ein wie oben beschriebener Hinweis sein; wenn Sie einen Podcast oder eine ähnliche Audiodatei veröffentlichen, bietet es sich an, in der Einleitung die Veröffentlichung als OER und die gewählte Lizenz einzusprechen.
TULLU-Zitierweise
Falls Sie für die Erstellung Ihrer OER bereits existierendes Material verwendet haben, müssen Sie dieses natürlich angeben. Für das Zitieren von OER hat sich die TULLU-Zitierweise etabliert. Die Formel kann als Hilfestellung dienen, um sich zu merken, welche Informationen Nutzende brauchen, um bei der Nutzung Sicherheit und Transparenz zu erfahren. Die Formel steht für:
- T: Titel (Wie lautet der Name des Materials?
- U: Urheberin oder Urheber (Wer hat das Material erstellt?)
- L: Lizenz (Unter welcher Lizenz wurde die Weiternutzung erlaubt?)
- L: Link (Wo finde ich das Material?)
- U: Ursprungsort (Woher stammt das Material ursprünglich?)
Empfehlungen für ILIAS-Objekte
Da die Bereitstellung von OER an der Philipps-Universität über ILIAS erfolgt, möchten wir an dieser Stelle einige Hinweise geben, welche Arten von ILIAS-Objekten sich für OER besonders gut eignen. Feingranulare ILIAS-Objekte lassen sich bislang leichter teilen und verarbeiten als großformatigere ILIAS-Objekte wie vollständige ILIAS-Kurse. Unter feingranularen Materialien verstehen wir einzelne, für einen Kurs verwendete Materialien wie einzelne Arbeitsblätter, Video- oder Audiodateien oder Lernmodule. Siehe auch ➥Lizenzvergabe in ILIAS.
ILIAS-Kurse können bislang nur mittels der Verwendung von Exportdateien auf andere ILIAS-Plattformen eingespielt werden. Hierbei können zusätzliche Probleme auftreten, da Plug-Ins wie Lernfortschritt und Badges möglicherweise nicht mitkopiert werden. Daher empfehlen wir feingranulare ILIAS-Objekte.
Beachten Sie, dass für die Lehre andere Gesetze gelten als für OER. Da OER eine weltweite Veröffentlichung ist, greifen andere Gesetze als für Seminare, die Sie beispielsweise als Lehrbeauftragte*r an einer Universität durchführen. Insbesondere entfällt die Schrankenregelung.

Tipp: Statt Materialien wie Aufsätze oder Ausschnitte aus Büchern so in Ihre OER einzubinden, wie Sie das vielleicht für eine interne Lehrveranstaltung machen würden, verweisen Sie auf geeignetes Material, beispielsweise folgendermaßen: „Hierzu eignet sich besonders folgender Text zu Lektüre…“.
Empfehlungen für Dateiformate
Was die Dateiformate anbelangt, empfehlen wir die Verwendung möglichst offener Formate, die Weiterverarbeitung und -verwendung als auch die Nutzbarkeit zu erleichtern. Offene Formate sind solche, die die Verwendung und Verarbeitung des Materials mit möglichst weit verbreiteten, verfügbaren und zugänglichen Programmen ermöglichen. Hier kann sich die Überlegung auf die Nutzung von lokal installierten Programmen oder auf die Nutzung von reinen Webanwendungen beziehen. Über das Internet zugängliche Formate wie 3D-Rundgänge sind zwar sehr zugänglich, da sie nur einen Internetzugang erfordern, in der Bearbeitung erfordern sie allerdings meist recht spezielle Software. Wir empfehlen daher, bei der Erstellung der Materialien bereits mit möglichst weitverbreiteten Dateiformaten zu arbeiten.
Neben der Zugänglichkeit der Dateiformate spielt für die nachhaltige Nutzbarkeit von OER auch deren Langlebigkeit eine Rolle. Einige Dateiformate sind geeigneter für eine langfristige Bereitstellung von OER als andere.
Für Text- oder Präsentationsdateien empfehlen wir eher Open-Document-Formate (ODF) wie beispielsweise .odt (für Textdateien) oder .opt (für Präsentationen). Die meisten Office-Programme lassen eine Speicherung in diesem Dateiformat zu. ODF sollen den Austausch von Dokumenten unabhängig von bestimmten Programmen ermöglichen. Unter Umständen sind Layout und Formatierung bei diesen Dateien nicht identisch, wenn sie mit verschiedenen Programmen oder Geräten genutzt werden und Nutzenden entsprechende Anwendungen fehlen. Teilweise lässt sich dem einfach vorbeugen, beispielsweise, indem möglichst weit verbreitete Schriften wie Arial und Times verwendet werden. (Weiterführend hilfreich zu Schriftarten: https://open-educational-resources.de/texte-und-schriftarten.) PDF-Dateien haben zwar im Gegensatz zu odt-Dateien den Vorteil, dass Layout und Formatierungen immer gleich aussehen, in Bezug auf OER ist dies allerdings eher von Nachteil, da PDF-Dateien nur mit Aufwand bearbeitbar sind und damit die freie Bearbeitung des Materials erschweren können.

Tipp: Verwenden Sie für Ihre OER möglichst offenen Datei-Formate wie .pdf oder .odf, sofern das Material dafür geeignet ist, um die Weiterverarbeitung Ihrer OER zu erleichtern. Welches Dateiformat für eine bestimmte OER geeignet ist, obliegt der Entscheidung der Erstellenden. Grundsätzlich ist auch möglich, eine Pdf zur Anschauung und eine Odf für die Weiterverarbeitung bereitzustellen.
Hinweis zu in Kooperation erstellten OER
Bei in Kooperation mit mehreren Personen (als Miturheber oder Miturheberinn) erstellten OER liegt die Verantwortung für die Inhalte des OER-Materials bei allen beteiligten Personen gleichermaßen. Das heißt auch, dass sich alle beteiligten Personen über die zur Veröffentlichung genutzten Lizenz einig sein müssen und alle gleichermaßen für die Einhaltung des Urheberrechts verantwortlich sind. Zudem handelt es sich bei OER um Veröffentlichungen; daher ist es unerlässlich, dass bei in Kooperation erstellten OER die Erlaubnis zur Veröffentlichung sowie die Zustimmung zur gewählten Lizenz aller Urhebenden vorliegt.
DOI
DOI steht für digital object identfier und wird verwendet, um die Auffindbarkeit digitaler Objekte (Aufsätze, Bilddateien etc.) zu erleichtern. Grundsätzlich können DOI auch für OER verwendet werden, da es sich bei diesen ebenfalls um digitale Objekte handelt. An der Philipps-Universität können DOI für OER über das Forschungsdatenrepositorium (data_UMR) vergeben werden. Damit geht einher, dass die entsprechenden OER sowohl auf der Ilias-Plattform als auch im Repositorium der data_UMR abgelegt werden.
DOI können nur sinnvoll für ein bestimmtes Objekt vergeben werden und können benutzt werden, um eine bestimmte OER an einem bestimmten Ort aufzufinden. Mit Änderungen an dieser OER oder durch das Hochladen dieser OER handelt sich nicht mehr um dasselbe Objekt an demselben Ort und es sollte eine neue DOI vergeben werden. DOI eigenen sich unserer Auffassung daher also insbesondere nicht, um den Änderungsprozess an einer OER nachzuvollziehen.
Ab welchem Änderungsgrad ein Objekt eine neue DOI bekommen sollte, ist zudem nicht eindeutig festgelegt; eine Änderung der DOI empfiehlt sich nach einer weitreichenden Änderung des Objekts oder um verschiedene Versionen des Objektes zu unterscheiden. („As a general rule, if the change is substantial and/or it is necessary to identify both the original and the changed material, then it is wide to assign a new DOI name”; “Generell gilt: Wenn die Änderung wesentlich ist und/oder es notwendig ist, sowohl das ursprüngliche als auch das geänderte Material zu identifizieren, dann ist es sinnvoll, einen neuen DOI-Namen zu vergeben.“, vgl. https://www.doi.org/the-identifier/resources/faqs)
Verwendung des Uni-Logos
Wenn Sie das Logo der Universität verwenden wollen, wenden Sie sich bitte an die Stabsstelle Hochschulkommunikation.
Barrierearmut
Freie Zugänglichkeit zu Inhalten bedeutet auch die Reduzierung von Barrieren. An der Philipps-Universität Marburg werden sämtliche Informationen zur digitalen Barrierearmut im zugehörigen Portal gesammelt: https://www.uni-marburg.de/de/studium/service/sbs/digitale-barrierefreiheit
Unterstützungs-angebote
Wir bieten verschiedene Unterstützungsangebote für die Erstellung, Bereitstellung und Nutzung von OER.
Wir bieten Unterstützung bei der Produktion und Qualitätsoptimierung von OER, falls Erstellende eine solche in Anspruch nehmen möchten. Qualitätsstandards sind uns wichtig, Qualität ist jedoch immer subjektiv. Zudem erfordert die Vielfältigkeit von OER unterschiedliche Herangehensweisen. Aspekte, die dennoch immer beachtet werden können, sind wissenschaftliche Standards, dem Inhalt angemessene Aktualität und Barrierearmut. Was die Qualität einer OER ebenfalls steigern kann, ist eine Kontextualisierung des Materials in dem Sinne, dass Angaben gemacht werden dazu, in welchem Rahmen das Material entstanden ist und für welche Zielgruppen es Erstellenden besonders geeignet erscheint.
Wir stellen die benötigte Infrastruktur für die Nutzung, Produktion und Bereitstellung von OER zur Verfügung. Ist von den Erstellenden die Bereitstellung von OER an der Philipp-Universität Marburg gewünscht, so erfolgt diese über die Lernplattform Ilias. Hierzu bieten wir unseren Angehörigen Unterstützungsangebote für die technischen Aspekte der Bereitstellung von OER.
Wir bitten um Beachtung, dass wir über Ilias zwar die Bereitstellung von OER gewährleisten können, Erstellende die Langzeitspeicherung ihrer OER-Materialien aber eigenverantwortlich gewährleisten sollten.
Zudem begrüßen und fördern wir die Teilnahme unserer Angehörigen an Wettbewerben oder Ausschreibungen zum Thema OER.




