5. Geschichte von ökologischen Bewegungen und politischem Protest
5.3 Politischer Protest
Auch Proteste auf der Straße haben eine lange Geschichte. Für Fridays for Future sind dabei die Proteste der 1960er-Jahre von besonderer Bedeutung, weil viele heute gesellschaftlich entscheidend sind, die diese Proteste miterlebt haben: als Politiker:innen, Eltern, Großeltern, Vorgesetzte, Künstler:innen oder in anderer Weise. In den Protesten der 1960er ging es um verschiedene Themen. Gefordert wurde vor allem eine friedlichere Politik vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der damals immer mehr verbreiteten Atomwaffen. Auch soziale Themen waren wichtig, oder auch die Bestrebung, eine sexuell offenere Kultur herbeizuführen. Dabei war auch ein Faktor, dass die Älteren damals nicht selten eine verbrecherische (oder zumindest problematische) Vergangenheit in der Nazizeit gehabt hatten, für die nur die wenigsten zur Verantwortung gezogen wurden. Ein bedeutender Aspekt war auch in dieser Zeit der Protest für mehr Frauenrechte.
In den 1980ern wird erstmals vor allem um ökologische Themen protestiert – wobei die Ablehnung von Atomkraft aufgrund der Gefahren dieser Technologie dazu zählt und eine zentrale Rolle einnimmt. Aus diesen Protesten entsteht die Partei die Grünen. Mit zeitlicher Verzögerung hat die Anti-Atomkraftbewegung Erfolg: 1998 stellt eine Koalition aus SPD und Grünen die Bundesregierung, die den Atomausstieg beschließt. Dieser wird zunächst zögerlich verfolgt, bis nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 wieder mehr Anti-Atomkraft-Protestierer:innen auf die Straße gehen.
Weitere größere Proteste der jüngeren Zeit in Deutschland sind etwa die gegen den Irakkrieg 2003, gegen Studiengebühren ab 2006, die genannten Anti-Atomkraftproteste nach dem Unglück in Fukushima oder die Proteste um den G20-Gipfel in Hamburg 2017.
Fridays for Future ist ein neuer Protest, der in großem Ausmaße von Schüler:innen durchgeführt wird – das heißt, vor allem seine Teilnehmer:innen sind neu. Gleichzeitig sind auch Menschen beteiligt, die auch schon an früheren Protesten teilgenommen haben. Sehr bald kamen zu Fridays for Future auch Studierende dazu, inzwischen gibt es auch „Future“-Gruppen wie Eltern for Future, Scientists for Future oder Grandparents for Future. Auch, wenn vieles Neu an FFF ist: Die Proteste können auf vielfältige Erfahrungen der Vergangenheit zurückgreifen und sind die Weiterführung einer langen Protestgeschichte. So frustrierend der Blick auf die Untätigkeit der Politik oder die mangelnde Berichterstattung der Medien in Bezug auf den Klimawandel ist: Die Protestgeschichte hat gleichzeitig auch viele (ökologische) Erfolge zu bieten.
Weiterführende Informationen:
BpB: Die 68er-Bewegung | bpb. https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/ (letzter Zugriff: 13.01.2022).
BpB: Die Umwelt- und Anti- Atomkraftbewegung | bpb. https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/jugendkulturen-in-deutschland/36201/umwelt-und-anti-atomkraft-bewegung (letzter Zugriff: 13.01.2022).
BpB: Dossier: Jugendkulturen in Deutschland. https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/jugendkulturen-in-deutschland/36152/vorwort (letzter Zugriff: 13.01.2022).
BpB: Jahre der Rebellion | bpb. https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/51790/jahre-der-rebellion (letzter Zugriff: 13.01.2022).
BpB: Faszinosum Fridays for Future | APuZ“. https://www.bpb.de/apuz/300410/faszinosum-fridays-for-future (letzter Zugriff: 13.01.2022).
BpB: Fridays for Future | bpb. https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/320328/fridays-for-future (letzter Zugriff: 13.01.2022).