Lesen im Studium

6.1 Zwei Anekdoten aus meinem Studium

Einen Text zu verstehen, beginnt nicht damit, das erste Wort zu lesen. Es hilft unglaublich, sich vorher über Text, Autor/in und Kontext zu informieren. Das zeigen auch folgende Beispiele aus meinem eigenen Studium:

1) Für eine Hausarbeit musste ich viele Texte des französischen Philosophen Michel Foucault lesen. Dabei fiel mir immer wieder auf, dass er in seinen Texten ankündigt, fünf Beispiele zu nennen, im Text aber nur vier zu finden sind. Natürlich vermutete ich den Fehler bei mir und dachte, ich hätte Foucault einfach nicht gut genug verstanden. Erst später lernte ich in einem Seminar, dass Foucault in seinen Texten oft Dinge ankündigt, die er nicht einhält. Auch stellt er häufig Behauptungen auf, denen er später selbst wieder widerspricht. Das zu wissen, hat mir das Lesen seiner Texte enorm erleichtert.

2) In meiner Masterarbeit zitierte ich einen Wissenschaftler, der spannende Einsichten zu meinem Thema hatte. Erst bei der Recherche über diesen Wissenschaftler fand ich heraus, dass er Mitglied der NSDAP war. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse mögen deshalb nicht falsch sein, trotzdem ist es wichtig zu wissen, wie er in der Forschung bewertet wird und ob es noch üblich ist, ihn zu zitieren.

Zwei Anekdoten - Audiospur