ILIAS of the Philipps-Universität Marburg

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1. Die eduScrum Definition und Theorie

Definition von eduScrum
eduScrum ist ein Rahmenwerk, in dem Lernende komplexe Probleme selbstständig lösen lernen, während sie produktiv und kreativ ihre Lernziele erreichen und sich gleichzeitig höchstmöglich persönlich weiterentwickeln.
Dabei ist eduScrum auf der einen Seite simpel konzipiert und leicht zu verstehen. Auf der anderen Seite ist es jedoch (besonders zu Beginn) schwierig zu meistern, da die Lernenden die Aufgaben selbstständig definieren und bewältigen müssen. eduScrum beschreibt lediglich was zu tun ist, nicht aber wie die Ziele zu erreichen sind. Daher ist  eduScrum weder ein Prozess noch eine Technik, um Lernende zu coachen, sondern  ein Rahmenwerk, in dem verschiedene Prozesse und Techniken angewendet werden können. eduScrum zeigt auf, wie effektiv die eigenen Pläne und Vorgehensweisen sind, sodass die Lernenden sich fortlaufend selbst verbessern können. Die Methode fordert die Lernenden in Selbstorganisation und Arbeitsqualität innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens mit klaren Lernzielen.
Mit eduScrum entwickelt sich die Qualität (in Bezug auf Inhalt, Zusammenarbeit und Persönlichkeitsentwicklung) im Laufe des Prozesses kontinuierlich weiter. Da die Lernenden für ihren Lernprozess selbst verantwortlich sind, bestimmen sie die Qualität ihrer Arbeit aktiv mit. Diese Eigenverantwortung, verbunden mit kontinuierlicher Verbesserung führt zu einer Steigerung der Qualität und somit der Arbeitsergebnisse.
eduScrum Theorie
eduScrum (http://eduscrum.nl/de/) basiert, genauso wie Scrum (www.scrum.org/), auf der Theorie empirischer Prozesssteuerung oder kurz "Empirie". Empirie bedeutet, dass Wissen aus Erfahrung gewonnen wird und Entscheidungen auf Basis des Bekannten getroffen werden. Die Methode nutzt einen iterativen, inkrementellen Ansatz, um die Erreichbarkeit von Lernzielen zu optimieren und Risiken zu kontrollieren. Jede Implementierung von empirischer Prozesssteuerung ruht auf drei Säulen: Transparenz, Überprüfung und Anpassung.
Transparenz
Transparenz stellt die erste Säule von eduScrum dar. Daraus leitet sich ab, dass die wesentlichen Aspekte des Prozesses für alle sichtbar sein müssen, die für das Ergebnis verantwortlich sind. Transparenz erfordert, dass diese Aspekte nach einem gemeinsamen Standard definiert werden, damit die Beteiligten ein gemeinsames Verständnis des Gesehenen teilen. Dies macht beispielsweise eine gemeinsame Prozesssprache aller Beteiligten (beispielsweise in Bezug auf die eduScrum Ereignisse oder die eduScrum Artefakte erforderlich.
Darüber hinaus ist es von zentraler Bedeutung, dass die Lernenden eduScrum Team und die Lehrperson (Product Owner) ein gemeinsames Verständnis der Definition of Done teilen.
Das Rahmenwerk soll die Transparenz der oben genannten Punkte sicherstellen, um den Lernprozess zu unterstützen. Transparenz ist notwendig, um den Lernenden bei der Entscheidungsfindung zu helfen und somit ihren Lernerfolg zu maximieren.
Überpüfung
Die zweite Säule ist die Überprüfbarkeit der Arbeitsergebnisse. Die Lernendenteams und die Lehrperson müssen die eduScrum Artefakte und den Fortstschritt ständig in Bezug auf die Erreichung der Lernziele überprüfen können, um unerwünschte Abweichungen zu erkennen. Die Überprüfungen sollen nicht so häufig erfolgen, dass sie die Arbeit behindern. Den größten Nutzen bringen Überprüfungen, wenn sie gewissenhaft durch Lehrende und Lernende dort vorgenommen werden, wo die Arbeit verrichtet wird (Seminarkontext).
Anpassung
Neben Transparenz und Überprüfung bildet Anpassung die Dritte Säule des Konzeptes. Wenn ein Lernender (oder Lehrender) feststellt, dass ein oder mehrere Aspekte des Prozesses von den akzeptablen Grenzwerten abweichen, und/oder die Ergebnisse nicht akzeptabel sein werden, muss die Planung oder Herangehensweise angepasst werden. Diese Anpassung muss so schnell wie möglich vorgenommen werden, um weitere Abweichungen zu minimieren. Der große Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass nicht aufwendig "unerwünschte" Ergebnisse erzielt werden. Vielmehr kann mitten im Prozess nachgesteuert werden.
eduScrum schreibt sechs formale Ereignisse für Überprüfung und Anpassung vor.


Erfahrungswert:
eduScrum operiert mit Unsicherheiten. Die eduScrum Teams sollen zu Beginn eines Sprints Aufgaben planen von denen sie noch gar nicht wissen (können), ob diese in dieser Form und diesem Zeitrahmen realisierbar sein werden. Das hat Unsicherheit zur Folge. Oft reagieren die Lernenden auf diese Unsicherheit indem sie ihre Aufgaben sehr wage und unkonkret formulieren. Dies eröffnet die Möglichkeit die Aufgaben selbst zu interpretieren und sie "irgendwie" erledigen zu können. Ziel ist es jedoch gerade diese Fehlplanungen sichtbar zu machen, um die Gelegenheit zu eröffnen während des Arbeitsprozesses ständig nachjustieren zu können.
Daher sind "Fehlplanungen" geradezu erwünscht. Legen Sie sich als Team gemeinsam auf konkrete Aufgaben und Bearbeitungszeiträume fest, auch auf die Gefahr hin, dass Sie Ihren Plan laufend anpassen müssen. Nur so können Sie Ihr Plaungsverhalten optimieren und werden als Team von Sprint zu Sprint besser. Die eduScrum Ereignisse (Stand Up, Sprint Review, Sprint Retrospektive und persönliche Reflexion) sind explizit dafür konzipiert auf (in jedem Team und Prozess auftauchende) Fehlplanungen zu reagieren und aus ihnen zu lernen. Seien Sie mutig und lassen Sie Fehlplanungen (beipielsweise während des Sprint Plannings) zu. Nur so können Sie als Team daraus lernen und zukünftige Planungen auf der Grundlage dieser Erfahrungswerte ausrichten.

Last edited: 27. Mar 2020, 10:21, Rundnagel, Heike [rundnagh]


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