ILIAS of the Philipps-Universität Marburg
AutorInnen: Prof. Dr. Jürgen Wolf
Abstract

Seit 2017 ist der Handschriftencensus ein Vorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz, angesiedelt an der Universität Marburg; gefördert von Bund und Ländern im Rahmen des Akademienprogramms der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften.
Der Handschriftencensus hat sich zum Ziel gesetzt, das gesamte deutschsprachige Handschriftenerbe des Mittelalters in einer frei zugänglichen Datenbank („CC0-Lizenz“) systematisch zu erfassen. Er sichert damit einen wesentlichen Teil unseres kulturellen Erbes und bietet gleichzeitig ein wichtiges Fundament zum Verständnis der Vormoderne.
Die Online-Datenbank des Handschriftencensus bietet Informationen zu sämtlichen deutschsprachigen Handschriften des Mittelalters (750-1520) weltweit. Sie vereint basale Informationen zu Autoren, Werken und ihrer Überlieferung. Darüber hinaus bietet sie zu jedem Textzeugen eine überlieferungsgeschichtlich einschlägige Literaturauswahl und den Zugang zu Digitalisaten.
Längst hat sich der Handschriftencensus als Scharnierstelle zwischen traditioneller Philologie und den neuen Digital Humanities, d. h. als weltweit agierendes und anerkanntes Kompetenzzentrum in Fragen der Überlieferungsdokumentation, der Bestandsermittlung, der Normierung und der Textidentifizierung für deutschsprachige Handschriften und Fragmente des Mittelalters etabliert. Zugleich bildet er – in Verbindung mit der hiesigen UB, der DNB, der BSB sowie parallelen Vorhaben etwa in Frankreich, den Niederlanden und Österreich – einen zentralen Baustein im gemeinsamen Fernziel einer digital vernetzten, normdatenbasierten Gesamtübersicht aller volkssprachigen Literaturen des europäischen Mittelalters.

Mittlerweile stehen wir bei rund 26.000 Handschriften und Fragmente aus der Zeit von etwa 750 bis um 1520, die heute weltweit in mehr als 1.500 Bibliotheken, Sammlungen und Archiven verstreut und häufig sogar in einzelne Blätter zerlegt an verschiedenen Orten aufbewahrt werden. Rund 100.000 Literaturangaben, viele Tausend Links in den Katalogisaten stellen die Verbindung zwischen Material, Forschung und Bild (Digitalisat) her.
Die Arbeit ist aber ‚noch‘ nicht zu einem Ende gekommen. Beinahe wöchentlich kommen Neufunde hinzu, und unzählige Lücken insbesondere im 15. Jahrhundert warten auf das Akademievorhaben handschriftencensus.de