(Hoch)Schule. Macht. Geschlecht.
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"(Hoch)Schule. Macht. Geschlecht."
Ein Fachtag im Rahmen der LernWelten.
Beim Fachtag "(Hoch)Schule. Macht. Geschlecht." wurden die drei einführende Keynotes von Prof.in Barbara Rendtorff, Prof. Tamás Fütty und Prof.in Yalız Akbaba aufgezeichnet. Die Keynotes geben einen guten ersten Überblick über die Intersektionalität des Themenfeldes und wie Gender, Rassismus und Machtstrukturen gemeinsam in Schule und Hochschule wirken.
Zusätzlich wurde von Referent:innen und Teilnehmenden eine gemeinsame Ressourcensammlung erstellt, die weiterführende Informationen zu diesen und verwandten Themen sowie außerschulischen Akteur:innen beinhaltet und die als Startpunkt für eine weiterführende Recherche oder Vertiefung in das Thema genutzt werden kann. Die Sammlung finden Sie hier verlinkt:

Aufzeichnungen der Keynotes
Prof.in em. Barbara Rendtorff:
"Un/Gleichzeitigkeiten oder Rhetorische Modernisierung? Zum Überdauern androzentrischer Strukturen im pädagogischen Feld"
"Un/Gleichzeitigkeiten oder Rhetorische Modernisierung? Zum Überdauern androzentrischer Strukturen im pädagogischen Feld"
Die Debatten über Geschlecht, Geschlechterverhältnisse und die 'Geschlechterordnung' sind momentan von großer Widersprüchlichkeit gekennzeichnet: Einerseits lassen sich deutliche Veränderungen feststellen, die meist als Emanzipations- oder Freiheitsgewinne bestimmter gesellschaftlicher Gruppen (etwa von 'Frauen', homosexuellen oder queeren Menschen) dargestellt werden, als Liberalisierungstendenzen in Bezug auf starre Geschlechterstrukturen und als Zeichen für historische Brüche in der Geschlechterordnung. Aber zugleich gibt es doch vielfältige Hinweise darauf, dass traditionelle, oft als 'patriarchal' bezeichnete Strukturen und Denkmuster überdauern oder sogar als 'Re-Traditionalisierung' wiederkehren. Dies zeigt sich vor allem (aber nicht nur) an Formen der geschlechtlichen Arbeitsteilung in erziehungsbezogenen und pädagogischen Arbeitsfeldern und im Bereich personenbezogener Sorge. Wie passt das zusammen? Was tragen (Hoch-)Schule und pädagogische Einrichtungen dazu bei? Und wo gäbe es Ansätze zur Veränderung?
Prof. Tamás Jules Fütty:
"Macht, Geschlecht und Bildung - zwischen Sprachverboten, heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit und queerer Sichtbarkeit“
"Macht, Geschlecht und Bildung - zwischen Sprachverboten, heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit und queerer Sichtbarkeit“
In diesem Vortrag werden Widersprüche und Gleichzeitigkeiten beleuchtet: einerseits die zunehmende Sichtbarkeit und rechtliche Anerkennung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt (‚Ehe für alle‘ 2017, Personenstand ‚divers‘ 2019 und Selbstbestimmungsgesetz 2024), sowie andererseits zweigeschlechtliche Strukturen und Normen im Kontext Bildung und Schule. Während für einige Sprachverbote, die mangelnde Anerkennung von geschlechtlicher Vielfalt im Schulalltag oder in der Lehramtsausbildung abstrakt oder unwichtig erscheinen, materialisieren sich diese in Diskriminierungs- und Gewaltverhältnissen, die die Lebensrealitäten von trans*, inter*, nicht-binären und queeren jungen Menschen weiterhin begrenzen und auch zu Angriffen auf geschlechtliche u.a. körperliche Selbstbestimmung führen können. Auch die (Hoch)Schule macht Geschlecht und reproduziert vergeschlechtlichte Machtverhältnisse, beinhaltet aber auch kritisches Potential der Hinterfragung und Reflexion.
Prof.in Yalız Akbaba:
„Die Einübung kolonialismuskritischer Lesefähigkeit“
„Die Einübung kolonialismuskritischer Lesefähigkeit“
In der Regel verbinden wir mit Bildung etwas Gutes, etwas Erstrebenswertes. Perspektiven, die das Fortbestehen kolonialer Verhältnisse kritisch in den Blick nehmen zeigen, dass Bildung nicht per se gut ist. Sie ist Produkt von machtvollen Produktionsprozessen, die in einer Kontinuität von kolonialen Strukturen, Denk- und Verhaltensmustern stehen. Im Vortrag wird beispielhaft eine Schulbuchseite aus der Sekundarstufe 2 analysiert, auf der Kolonialismus thematisiert und dabei die Verschränkung weißer Vorherrschaft, Kapitalismus und Patriarchat gefestigt wird. Aus diesen Ordnungssystemen resultieren Rassismus, Sexismus, Klassismus und ihr vielfältiges Zusammenspiel. Für die Lehrkräftebildung ist es fundamental, diese in ihren subtilen Spielarten dekodieren zu lernen. Die Einübung von kolonialismuskritischer Lesefähigkeit kann auf der Ebene von Lehrmaterialien zu einer Unterbrechung von kolonialen Strukturen beitragen.
Der Fachtag wurde im Rahmen des UMRdivers Teilprojekts "Gymnasiale Lehrkräftebildung in Marburg: innovativ - inklusiv" vom Zentrum für Lehrkräftebildung in Kooperation mit dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung sowie von den pädagogischen Mitarbeitenden Fabian Dirks, Imke Dzewas, Katharina Klingebiel, Mareike Reul sowie von den Doktorandinnen Tabea Nauschütz und Hannah Siemon organisiert.

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4.0 International
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